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                  Gedichte und Märchen von Jana Przybylski





Weihnachtserlebnis

Ein Kindermärchen von Jana Przybylski

 

Acht Jahre war ich und stand in der warmen Stube vor dem Weihnachtsbaum. Er roch so schön nach Wald. Ich hatte meine gelbe Lieblingsstrumpfhose an, mit dem gestreiften Pulli darüber.

Es läutete an der Tür. 

Niemand war von den anderen zu Hause, nur ich. Ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht und mir den so wunderschönen, grünen Tannenbaum angesehen. Mit all den leuchtenden Kerzen, den Papi am Nachmittag mit Mutti aufgestellt und geschmückt hatte. 

In der Schule hatte ich schon gelernt, wie man zählt, und ich hatte mir vorgenommen, die schimmernden Lichter zu zählen. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich das schon kann. Doch nun klingelte es an der Tür. Draußen schneite es, der Wind pfiff um das Haus.

 

Mutti und Papi waren bei Oma und Opa. „Sie hatten etwas zu besorgen“, sagten sie. Das sagten sie immer, wenn es auf Weihnachten zuging, denn dann waren die Erwachsenen immer komisch und gaben nie richtig Antworten. Was kann ich denn mit dieser Antwort anfangen? „…etwas besorgen…“ Während wir Kinder immer die Wahrheit sagen mussten, egal um was es geht. Warum gibt es da eigentlich Unterschiede?

Mit meinen acht Jahren fand ich da keine Antwort drauf. Vielleicht sollte ich mal die Lehrerin in der Schule fragen.

 

Es läutete erneut. 

Ich machte die Tür auf. Draußen war es dunkel und ein kalter Luftzug erfasste mich, sodass ich sofort fröstelte. Mir war kalt. Ich erschrak. Vor mir stand ein gewaltiger Riese mit weißem Schnurrbart, riesengroßen blauen Augen und roter Kleidung. Ich kannte ihn nicht. Ich war starr vor Schreck. Ein Riese!! 

Er trug eine Mütze. Das musste ich auch immer, wenn ich im Schnee spielen will. Der Mann war größer als mein Schneemann, den Papi und ich heute Nachmittag im Garten gebaut hatten.

Der Riese fragte mich, ob er reinkommen darf. Ich sagte: „Mami und Papi sagen immer, ich darf keinen Fremden reinlassen.“ Da der Mann so groß war und die Kälte vom Schneetreiben mich erfasste, ging ich ein paar Schritte in Richtung Stube zurück, von wo ich den Weihnachtsbaum in der geöffneten Stubentür sehen konnte, und wusste nicht, was ich machen sollte. 

Ich betete, dass der Riese keinen Schritt weiter machte. Ich würde Ärger mit Papi kriegen, wenn ich einen Fremden reinlassen würde und hätte aber keine Kraft, den Mann wieder rauszuschieben. Ich bin nicht kräftig genug und so klein.

„Kleiner Mann, wenn ich nicht reinkommen darf, darf ich Dir aus meinem großen Sack ein Geschenk geben? Ich bleibe dann hier stehen und hole das mal raus.“ Erst jetzt sah ich, dass er einen großen Beutel auf seinen Rücken hatte, den er nun keuchend vor sich abstellte. Warum war alles so groß an dem Mann?

In mir ratterten tausend Gedanken. Meine Stimme war weg. Wieso wollte der Mann mir etwas schenken? Ich fasste mir ein Herz und sagte, so laut es mir möglich war, damit er meine Angst nicht spürte: „Papi sagt immer, ich darf von Fremden keine Geschenke annehmen, aber wenn wir jemanden begegnen, sollen wir ihm was Gutes tun.“ Verdutzt hielt der Riese inne. „Warte mal Riese, bleib` da stehen, ich komme gleich wieder.“ Schnell und voller Freude, dass mir das eingefallen war, rannte ich in die Küche und holte einen Apfel.

Keuchend rannte ich zurück. Der große Mann hatte sich inzwischen den grauen Sack wieder auf den Rücken gehievt. „Papi sagt immer, an Weihnachten sollen wir nett zu allen Leuten sein, auch zu den Nachbarsjungen, der mich immer ärgert. Ich möchte Dir darum einen Apfel schenken. Dann hast Du etwas zu essen.“

Irritiert schaute der Riese mich an, nahm den Apfel und schüttelte den Kopf. Er murmelte vor sich hin: „Sowas ist mir ja noch nie passiert“, drehte sich um und stapfte von dannen. Seine schweren Tritte knirschten durch den Schnee. Ich schloss schnell die Tür und lief in die warme Stube zu meinem hübschen Weihnachtsbaum. 

Nun wollte ich versuchen, die Kerzen zu zählen.

 

Ein Bild, das Text enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

 

 

 

Text: Jana Przybylski/Uelzen

Bild: Leonie Wieger/Gütersloh





     












                                

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